Willis Woche: Am Strand der Kuhrischen Nehrung

Wie geht es Ihnen? Das ist immer die erste Frage, die Trecker-Willi gestellt wird, wenn er angerufen wird. Die Antwort lautet immer gleich: „Gut.“ Und dann lacht er. Leider ist Trecker-Willi, der eigentlich Winfried Langner heißt, auf seiner Tour von Lauenförde bis nach St. Petersburg schwer zu erreichen. „Ich hab nicht jeden Tag mein Handy an“, erklärt der 81-Jährige. Willi muss Strecke machen. Und auf dem Sitz seines Treckers vergisst er auch schon mal die Zeit. „Die Landschaft hier ist so schön. Diese Weiten und diese unberührte Natur, einfach herrlich.“ In seiner Stimme ist die Begeisterung herauszuhören.

 

Kurs auf Estlands Hauptstadt

Und weil er immer wieder Leute trifft. So acht Männer aus Detmold und Lemgo, die in einem Bus Medikamente ins Krankenhaus nach Kaunas (Litauen) lieferten. „Die kannten mich natürlich gleich und hatten vorab schon gewettet, dass sie mich auf ihrer Tour treffen.“ Für solche Begegnungen stoppt der Rentner gerne mal seinen Trecker und unterhält sich bei einer Flasche Apfelschorle. Gestern überquerte er die Grenze nach Estland. An der Küste entlang geht es weiter in die Hauptstadt Tallinn. „180 Kilometer sind es bis dahin noch. In zwei Tagen will ich da sein“, erklärt Willi, der sein Endziel St. Petersburg nicht aus den Augen lässt.

Auch der unfreiwillige längere Stopp in Kaliningrad nach seinem Achsenbruch hat ihn nicht davon abbringen können, bis nach St. Petersburg fahren zu wollen. „Eine Woche steckte ich in der russischen Enklave fest. Aber das war schön.“ Schön, weil die Familien, die ihm auf ihrem Hof einen Stellplatz boten, sich um ihn kümmerten. Langeweile kam nie auf. „Ich war mit denen sogar am Strand der Kuhrischen Nehrung. Und den Hafen von Kaliningrad haben sie mir gezeigt.“ Bei einer Stadtrundfahrt war es also nicht geblieben. Sogar ins deutsche Generalkonsulat in Kaliningrad war Trecker-Willi eingeladen. Er durfte von seiner Reise berichten. Und beim Einbau der neuen Treckerachse bekam er tatkräftige Hilfe. Die Völkerverständigung bei Willi funktioniert. Reibungslos.

 

Campingplätze? Fehlanzeige!

Der Rentner hat mit Robert, so heißt sein Trecker, immer wieder mit kleinen Problemen zu kämpfen. So fand er am ersten Abend in Estland keinen Campingplatz. „Ich bin jetzt einfach rückwärts in einen Waldweg gefahren und bleib über Nacht hier.“ Also kein Grund zur Panik.

Wir übernehmen die Kolumne „Willis Woche“ (Autor: Florian Quanz) mit freundlicher Genehmigung von der Hessisch Niedersächsischen Allgemeinen (HNA), www.hna.de
Fotos: Birthe Rosenau

Hier geht es zu den anderen Teilen der Serie:
Teil 1 – Ein Mann fährt seinen Weg
Teil 2 – Robert immer im Blick
Teil 3 – Gestrandet in Kaliningrad

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