Traktormensch des Monats November: Franz Brantner (19) aus Zwettl

Mein Name ist Franz Brantner, bin 19 Jahre alt, habe letztes Schuljahr die Matura am Gymansium gemacht und komme aus dem schönen Bezirk Zwettl im Waldviertel in Niederösterreich. Alte Traktoren begeisterten mich schon seit meiner frühen Kindheit, da wir einen kleinen Nebenerwerbsbetrieb mit damals noch 5 Kühen hatten. Heute ist unsere Viehwirtschaft schon im Auslauf. Schon als 5-jähriger Bub habe ich mit meinem Steyr T84e (Umgangssprachlich einfach nur 18er oder 18er Steyr genannt (da 18PS)) am Feld und auf der Wiese selber fahren dürfen, da ich schon zum Kupplungs, Brems und Gaspedal gelangen konnte. 1960 kauften mein Uropa und Opa gemeinsam einen Steyr T80 – umgangssprachlich einfach nur 15er Steyr – der bis heute auch auf dem Hof blieb. Für die größeren Aufgaben am Hof sind noch 2 größere Traktoren zuständig, ein Steyr 948a mit Frontlader und ein Lindner 1450n. Dieses Jahr kaufte ich mir zur Matura einen Steyr N182a – oder auch 36er Steyr genannt – den ich gerade restauriere aber danach vermutlich verkaufe.

Zur Geschichte des Traktors:

1998 hat mein Vater den damals im Originalzustand befindlichen Steyr T84e aus einer Hinterlassenschaft heraus gekauft. Damals war dieser Traktor der Einzige, seit seiner Auslieferung im Januar 1960, auf diesem Hof mit ca. 15-20 Hektar. Dadurch, dass er damals in den letzten 40 Jahren doch ein bisschen Zuneigung bekommen hatte, war er in einem ordentlichen Gesamtzustand und sprang auch sofort nach einer Standzeit von ca. 5 Jahren an. Mein Vater kaufte ihn damals eher als einen Ersatzteilspender für den Steyr T80 (Grund für den Gedanken als Ersatzteilspender: Damals gab es kaum Ersatzteile auf dem Markt für diese Steyr Modelle). Trotzdem restaurierte er den 18er Steyr. Er lackierte ihn neu, Kolben und Büchse wurden getauscht und die Elektrik wurde etwas überholt. Der rostige Mähbalken wurde auch wieder zum Laufen gebracht. In den nächsten Jahren wurden noch neue Pleuellager eingebaut, sonst ist er aber technisch noch unberührt.

Erst mit der Zeit kristallisierten sich die Vorzüge des T84e heraus. Dieser Typ hat original ein schnelles Getriebe mit 28km Spitze, einen Wendegetriebehebel, dass man alle Gänge vorwärts als auch rückwärts fahren kann. Mit seiner guten Wendigkeit und seinem Mähbalken ist er perfekt fürs Grünfutter mähen.

Die folgenden Jahre bis heute läuft er vom Frühjahr bis in den Herbst noch so gut wie fast jeden Tag. Im Herbst, nachdem das letzte Grünfutter gemäht wurde wird der Mähbalken gewaschen, eingeölt und abgebaut. Der 18er bekommt auch eine gründliche Wäsche, wird abgeschmiert und getankt und dann auf sein „Winterplatzerl“ gestellt, wo er die frostigen Wintermonate verbringt.

 

 

Der Traktorvirus hat mich erfasst:

Ca. 2007/2008 hat mein Vater den 18er noch einmal optisch aufgefrischt, da die alte Farbe keine gute Qualität hatte. Als ich 11 Jahre alt war hat mich meine Oma und mein Opa auf ein Traktortreffen mitgenommen und somit endgültig mit dem Traktorvirus angesteckt. Im nächsten Jahr und das darauffolgende Jahr war dieser eine Termin ein Fixpunkt um mit dem 18er dort hinzufahren. Als ich dann 16 wurde und ich nun endlich den Traktorführerschein hatte gings gleich im nächsten Jahr (2017) auf 7 Traktortreffen.  Dieses Jahr (2018) gings dann schon auf 8 Traktortreffen. Alleine für Hin- und Rückfahrten war ich ca. 400km auf Achse unterwegs. Man kann sich also vorstellen welche Strecken ich und mein 18er im Jahr zurücklegen, wenn man auch miteinberechnet, dass er im Sommer über seinen Dienst auf Feld, Wiese, Wald und Straße auch machen muss.

Trotzdem lässt er mich nie im Stich.

 

Mein schönstes Erlebnis mit meinem 18er Steyr?

Schwierig zu sagen, aber zu den schönsten gehört bestimmt, als ich in die Schule (Gymnasium Zwettl) und schließlich auch zum letzten Schultag nach der Matura mit meinem 18er bis zum Schultor gefahren bin und mich nebenan eingeparkt habe. Jedes Mal als ich zur Schule einbog wussten die meisten bereits an dem Tuckern: Ah, der Franz ist da!

Doch jedes Mal aufs Neue staunten Schüler und Lehrer. Man sah auch hin und wieder sah vom Klassenfenster aus Passanten, die am Gehsteig vor meinem Traktor hin und her gingen und ihn bestaunten.

 

Pläne für die Zukunft:

Was ich mir schon immer vornehme einmal zu machen ist es meinen 18er Steyr wirklich so gut es geht ORIGINAL zu restaurieren. Bisher habe ich noch keinen Steyr T84 original restauriert gesehen.

Mit Hilfe von Bildern z.B. Werksfotos, alte schwarz-weiß Bilder oder auch Bilder von Originalzuständen heute helfen mir sehr z.B. wo welche Farbe lackiert gehört, wo die Aufkleber genau geklebt werden, wie die Lampen und Scheinwerfer aussahen usw.

Bis jetzt hat sich ordentlich Bildmaterial angesammelt, aber bei richtigen Originalzuständen, die man selten aber doch auf den Traktortreffen sieht, kann man sich auch noch viel abschauen.

Durch Zufall und Glück sammelte sich in den letzten Jahren auch einiges an Zubehör für meinen 18er an. Vor 2 Jahren fand ich das Zapfwellenschutzschild, welches ursprünglich auf unseren 15er mitgeliefert wurde in unserem Dachboden. Der Schutz wurde vermutlich bei den meisten abgelegt oder weggeworfen, da er im Einsatz total unpraktisch ist. Dieses Schutzschild wurde aber bei allen Steyr Einzylinder mitgeliefert – also bei ca. 93 000 Stück. Bisher habe ich dieses Schutzschild nur an 3 anderen Traktoren gesehen. Dieses Jahr hat sich ein Landmaschinenhändler, der aber auch Steyr Schrauber und Sammler ist, die Vorderachsfedern von einem Schmid nachfertigen lassen, da es von diesen keinen Nachbau gibt. 2 von diesen Federn habe ich schließlich gekauft und nachdem diesen Herbst die neuen Hinterreifen montiert wurden habe ich diese auch eingebaut.

Mit etwas Glück findet sich in Zukunft vielleicht noch das ein oder andere seltene Zubehör.

Technische Daten:

Marke Steyr
Typ T84e
Motor Steyr WD113a

Einzylinder Wassergekühlt

1330ccm

PS / Umdrehungen/min. 18PS bei 1750 U/min
Höchstgeschwindigkeit 28,3km/h (Rückwärts ca. 17km/h)
Baujahr 1960

Gussdatum am Motorblock: 30.12.1959

Erstzulassung 28 Januar 1960

Bereifung 8.3-28 hinten

5.50-16 vorne

Sonstige Ausstattung Fernthermometer + Kühlervorhang

Öldruckmanometer

2 Mähbalken (26 und 29 Finger)

Originaler Ackerscheinwerfer hinten (selten)

Originales Zapfwellenschutzschild (selten)

Höhenverstellbares Zugmaul hinten

Der Grundtyp ist der Steyr T84. Er hatte 4 Vorwärts- und 1 Rückwärtsgang, sowie eine ungefederte Vorderachse. Es gab noch eine Schmalspurvariante (T84s) und eine Hackfruchtvariante (T84a) mit etwas höheren Hinterreifen und längeren Vorderachsschenkeln.

T84e: Das e bedeutet „Eilgang“, hatte standardmäßig einen Wendegetriebehebel und eine Einzelrad gefederte Vorderachse. Diese Federn wurden aber oft durch Hülsen, wie bei meinem Traktor, oder oft auch durch die Vorderachse des T84 ersetzt, da mit Federn die Achsschenkeln verschlissen sind.

 

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