Teil 2: Regen, Pilgerfrühstück und Eiseskälte

„Thodam, Trier“ – so meldet sich Johannes Thodam am Telefon – und damit ist das Wichtigste gleich schon gesagt. An Tag zwei der Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela haben die beiden Traktorfahrer es bis nach Trier geschafft, ein Zehntel der Gesamtstrecke liegt damit hinter ihnen. Johannes Thodam und Gerd Lemkens waren am 1. Maifeiertag im strömenden Regen mit ihren Oldtimern, einem Eicher und einem Schlüter, in Nettetal aufgebrochen. Mehr als 60 Menschen standen Spalier, um die Abenteurer gebührend zu verabschieden.

„Überrascht hat uns auch, wie viele Präsente wir erhalten haben“, erzählt Thodam. Natürlich Jakobsmuscheln, die die beiden an ihren Treckern befestigt haben, aber auch Schnäpse und andere kleine Aufmerksamkeiten. Bärbel Kieselmann etwa hing Thodam noch schnell eine Flasche Maggi um den Hals. „Ohne schmeckt es dir doch gar nicht“, kommentierte sie lachend als sie sein verdutztes Gesicht bemerkte. Thodams Lebensgefährtin Inge Thiel hingegen kullerten beim Abschied einige Tränen über die Wangen: „Wir haben 24 Jahre alles gemeinsam gemacht, und jetzt ist er rund drei Monate unterwegs“, sagte sie.

Bis zum Nachmittag des ersten Tages hatten die Pilger mit viel Regen zu kämpfen. Den Rest der Strecke bis zum ersten Quartier in Bad Münstereifel ging es dann trocken weiter. „Dort hatten wir eine ruhige Nacht, wir waren die einzigen Gäste in der Jugendherberge“, erzählt Thodam am Telefon. Überrascht wurden sie mit einem großen Pilgerfrühstück am schön gedeckten Tisch. Da war auch schnell der kalte Wind vergessen, welcher den Zweien in die noch klamme Motorradkleidung kroch. Ein Verdeck hat nämlich keiner der beiden an seinem Traktor.

Der Weg nach Trier war an Tag 2 durch viele Baustellen und Umleitungen erschwert. Zudem wehte wieder ein eisiger Wind, dieses Mal sogar noch aus der Gegenrichtung… „Die Zeit lief uns davon, wir waren erst um 19.20 Uhr hundemüde in Trier“, erzählt Thodam.

Heute geht es über Luxemburg weiter bis nach Metz – 100 Kilometer sind geplant. „Mein Eicher leckt ein wenig, vielleicht müssen wir da nochmal kurz bei einer Werkstatt halten und eine Dichtung besorgen“, berichtet Johannes Thodam gut gelaunt. Solche Kleinigkeiten bringen ihn und seinen langjährigen Freund Gerd Lemkens, den Landmaschinentechniker, nicht aus der Ruhe. „Das klappt mit uns auch bei Wind und Wetter“, sagt Thodam. Und schmunzelnd fügt er hinzu: „Echte Männer fahren Trecker – nicht nur bei Sonnenschein.“

Fotos: Heinz Koch

Folgen verpasst? Hier lest ihr sie alle:
Teil 1 – Mit dem Traktor auf dem Jakobsweg
Teil 2 – Regen, Pilgerfrühstück und Eiseskälte
Teil 3- Waschstraße auf dem Jakobsweg
Teil 4 – 1000 Kilometer sind geschafft
Teil 5 – Sonnenbrand und Deichselbruch
Teil 6 – Die Pyrenäen bezwungen
Teil 7 – Emotionale Ankunft
Teil 8 – Ans Ende der Welt und zurück
Teil 9 – Hühnchen mit Reis und große Hitze
Teil 10 – Auf der Zielgeraden nach Hause
Traktor-Pilger sind wieder zu Hause

Ein Kommentar

  1. Hallo ihr beiden,
    Wir sind die beiden Radfahrer die von Regensburg nach Santiago unterwegs sind. Unser Weg hat sich heute zum 3.mal gekreuzt. Wir mussten heute wegen diesem bescheidenen Regenwetter vorzeitig in Eauze aufgeben.
    Wir wünschen euch und uns Bueno Camino und eine Unfall freie Fahrt.
    Angela und Klemens

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