Tour de Francis – 1300 Kilometer mit dem Oldtimertrecker

Alles fing 2013 mit einem Pokal an. Francis Magnaldi erhielt diesen von den Schlepperfreunden Römerberg für die weiteste Anreise mit seinem IHC McCormick Farmall Cub… und musste ihn wenig später wieder zurückgeben. Denn der Franzose hatte zwar mit Abstand die weiteste Anreise von der französischen Atlantikküste in die Pfalz, seinen 11-PS-Schlepper hatte er jedoch nicht auf eigener Achse zu dem großen Oldtimertreffen gefahren. „Francis war darüber so enttäuscht, dass er sich damals fest vornahm: Ich hole mir diesen Pokal. Ich fahre die Strecke nochmal – auf eigener Achse“, erzählt Jörg, sein deutscher Schwiegersohn. Seitdem waren nun fast fünf Jahre vergangen. „Alle dachten, er macht das eh nicht mehr“, sagt Jörg.

 

Mit dem IHC McCormick Farmall Cub gewann Francis damals einen Pokal… durfte ihn jedoch nicht behalten

Falsch gedacht. Denn seit dem 14. April ist Francis gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Marie Therese Poirier unterwegs. Auf ihrer ganz persönlichen „Tour de France“ – der „Tour de Francis“, sozusagen. Allerdings nicht mit dem McCormick, das wäre zu beschwerlich. Francis hat sich einen Renault 421 M gekauft, Baujahr 1973. Der berühmte Haufen Schrott, als der bei Francis in Saint-Paul-en-Born (nahe Mimizan und etwa 100 Kilometer nördlich von Biarritz an der Atlantikküste) in der Werkstatt ankam. Der 67-Jährige restaurierte den 42-PS-Schlepper mit dem Drei-Zylinder-MWM-Motor umfassend, um ihn für die lange Reise startklar zu machen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Angehängt hat er einen kleinen Wohnwagen, einen Eriba, der nicht nur einen Schlafplatz für das Paar bietet, sondern eine komplette „Bordeinrichtung“ mit Küche, Toilette und Sitzecke. Dennoch ist es nicht immer ganz einfach, einen Übernachtungsplatz zu finden, berichtet Jörg. „An manchen Tagen fahren sie bis nach Mitternacht.“ Jörg stellt täglich Fotos von der Reise in seinen Instagram-Account „diefotoflummis“. Das (Medien-)Interesse wächst von Tag zu Tag. Auch einige Sponsoren haben sich gemeldet, die Francis mit „Benzingeld“ unterstützen wollen. Gefahren sind die beiden Abenteurer über Langon, vorbei an Bordeaux, Limoges, Guéret und Montlucon. Derzeit sind sie in der Region von Moulins. Von dort soll die Reise über Autun, Dijon, Langres, Vittel, Senones, Wissembourg, Kandel und Rülzheim bis nach Speyer.

Pausen müssen sein – ganz klassisch mit Camembert und Rotwein

Der Trecker läuft und läuft und läuft. Probleme macht zurzeit jedoch der Wohnwagen, ein kleiner technischer Defekt. Francis ist zuversichtlich, dass er diesen schnell behoben bekommt. Noch etwa 500 Kilometer haben er und seine Lebensgefährtin vor sich. Spätestens am 1. Mai, zum Beginn des Schleppertreffens, wollen sie ankommen. Dort hat Johannes Jochem von den Schlepperfreunden Römerberg die ein oder andere Überraschung vorbereitet. Er und die Vereinskollegen wollen den französischen Treckerfahrer und seine Lebensgefährtin am Speyerer Dom begrüßen.

Der Kontakt zu den Schlepperfreunden Römerberg entstand damals auch durch Johannes Jochem. „Die beiden tauschen sich seit Jahren regelmäßig zu technischen und persönlichen Themen aus“, erzählt Jörg. Seit 2017 ist Francis auch Mitglied in dem deutschen Club. Wie aber kam überhaupt die Verbindung zu Deutschland zustande? Francis Magnaldi war von 1968 bis 1978 in Speyer als Soldat des 1. Regiment de Spahis stationiert. Er hat die Stadt in bester Erinnerung, vor allem die schöne Altstadt mit ihren vielen Kneipen. Bis 1993 war er dann noch Soldat in Frankreich, ehe er für zwölf Jahre in die Vereinigten Arabischen Emirate ging – er war dort mit der Wartung von Panzern beschäftigt. Inzwischen ist er Rentner. Endlich Zeit also, um an seinen Oldtimern rumzuschrauben. Dazu gehören nicht nur Trecker, sondern auch alte Autos und Motorräder.

 

Links: Marie Thereses Hund vor der Abfahrt. Er muss zu Hause bleiben – Rechts: Gemütliches Reisen mit 42 PS

Während Francis auf Landstraßen recht ruhig und beschaulich unterwegs ist, werden sowohl die Schlepperfreunde Römerberg als auch sein Schwiegersohn von Anfragen regelrecht überrannt. Eine perfekte Werbung für den Verein, der durch die Aktion auch über die Landesgrenzen hinaus immer bekannter wird. Das nächste Treffen verspricht also, noch größer zu werden als die bisherigen…

Oldtimertreffen der Römerberger

Beim 14. Treffen der Schlepperfreunde-Römerberg am 1. Mai werden Traktoren, Autos, Motorräder und Lkw auf dem Sportplatz des FVB in Berghausen zu sehen sein. Eine Sonderausstellung befasst sich mit Schlüter Traktoren. Der Eintritt ist für Besucher und Aussteller frei. Rahmenprogramm und Tombola. Am 30. April zudem Oldienacht mit der „Rockkapelle“.

Mehr Informationen: http://www.schlepperfreunde-roemerberg.de

 

Links: Landschaftsaufnahmen aus der Beifahrerperspektive. Rechts: Francis ist großer Fan des Magazins Traktor Classic, für das Traktormensch-Autorin Birthe arbeitetWir begleiten Francis und seine Lebensgefährtin auf ihrer Reise – hier im Blog sowie auf Facebook und Instagram. Schaut doch mal vorbei. Und teilt gerne diesen Beitrag.

Plant ihr auch eine längere Reise mit eurem Oldtimer-Traktor? Wir berichten gerne! Meldet euch über die Kommentarfunktion oder per Mail an ulrich@traktormenschen.de

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