Seltenheit aus Wien: Warchalowski

Oft sind es die Großväter, die bei unserem Hobby den Grundstein legen. Bei HTL-Schüler Maximilian Sams aus Neumarkt am Wallersee bei Salzburg (Österreich) waren es sogar alle Beide:

Sein Opa mütterlicherseits kaufte 1959 einen Warchalowski WT20 mit V2-Motor und 20 PS. Auch sein Großvater väterlicherseits schaffte sich unabhängig davon ein paar Jahre später einen Traktor der selben Marke an: Einen WT40 mit V4-Motor und 40 PS. Alle beiden Traktoren blieben bis heute im Familienbesitz.

Nachdem sie 20 Jahre in einer trockenen Garage gestanden hatten, aktivierte Maximilians Bruder, der genau wie sein Vater KFZ-Meister ist, die beiden Traktoren wieder. Den WT20 behielt er selbst, den WT40 bekam der Vater und damit unser Maximilan nicht leer ausging, wurde die Flotte spontan noch mit einem WT33 ergänzt.

Die Besonderheit an dem 33 PS-Schlepper ist der lukftgekühlte V3-Dieselmotor, den man bei Warchalowski Anfang der 60er-Jahre auf Grundlage des V4-Motors entwickelte, indem man einen Zylinder mit einem Blinddeckel verschloß, ein Ausgleichsgewicht auf der Kurbelwelle anbrachte und ein Pumpenelement der Einspritzpumpe deaktivierte. So konnte man das Produktangebot erweitern und die große Lücke zwischen 20 PS und 40 PS schließen.

Alle drei Warchalowskis der Familie Sams wurden technisch komplett überholt und neu lackiert und werden nur noch für Sonntagsausfahrten und Oldtimertreffen verwendet. Zum Arbeiten besitzt die Familie Sams nämlich drei Fiat-Traktoren.

Da in der Sammlung noch ein 1-Zylinder fehlte, kam diesen Sommer noch ein Standmotor von 1955 dazu. Nun ist die Sammlung komplett, vom 1-Zylinder bis zum 4-Zylinder. Jeder Motor ist voll funktionstüchtig, schnauft, raucht und erzeugt dabei einen jeweils einzigartigen Klang.

Geschichte der Firma Warchalowski

Der Betrieb wurde 1858 als Maschinenfabrik J. Warchalowski von Jakob Warchalowski gegründet und stellte bis zum 1. Weltkrieg hauptsächlich Standmotoren her, die in ganz Österreich-Ungarn verkauft wurden. Im Jahr 1913 gründete Sohn August die Industriewerke Warchalowski und beschäftigte bereits 2000 Mitarbeiter.

Im ersten Weltkrieg war Warchalowski der größte Rüstungshersteller in Österreich und produzierte in Lizenz Hiero-Flugmotoren und sogar einige Schienenfahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Außerdem wurden Dampflokomotiven instandgesetzt.

Nachdem der Betrieb gegen Ende des 2. Weltkriegs stark beschädigt wurde, begann man nach dem Wiederaufbau erstmal wieder mit Stationärmotoren. Erst 1956 fing die Produktion von Traktoren mit luftgekühlten Dieselmotoren in Leichtbauweise an. Der vom berühmten Prof. Hans List entwickelte V2-Dieselmotor mit Direkteinspritzung war damals hochmodern und robust, so dass auch andere Traktorhersteller wie Lindner, Kirchner, Krasser, usw. sie verwendeten. Die davon abgeleiteten V3- und V4-Motoren zeigten sich jedoch als problematisch, da das Kurbelwellenmittellager gerne mal blockierte. Nach einer kostspieligen Umrüstaktion sämtlicher verkaufter 3- und 4-Zylinder-Schlepper entschied man sich um 1968 dazu, nur noch Fremdmotoren von IHC zu verbauen. Als 1970 die Aufträge zurückgingen, stellte man die Traktorproduktion ein und der Betrieb wurde an Case IH verkauft.

Besonderheiten sind die bei allen Modellen verbaute Kunststoff-Motorhaube (außer WT14) und ein unter dem Kupplungsgehäuse eingegossener Schalldämpfer (außer WT30).

Please follow and like us:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Social media & sharing icons powered by UltimatelySocial
Facebook
Facebook
YouTube
YouTube
Instagram

Unser OnlineShop ist erstmal wieder geschlossen. Vielen Dank Allen, die beim PreOpening etwas bestellt haben! Ausblenden