Schlammschlacht um die Königswürde

Sie hatten so sehr auf Frost gehofft, auf einen schönen, festen Boden. Vielleicht sogar ein wenig Sonne, damit die Besucher am Rand nicht so frieren, wenn sie den unerschrockenen Treckerrittern im Kampf um die Königswürde zuschauen. Doch stattdessen wurde es eine Schlammschlacht. Der tagelange Regen hatte das Feld im mecklenburgischen Jahnkendorf bei Marlow aufweichen lassen. Schmierseife ist da nichts gegen. Doch zwei Mitglieder des Tressentiner Treckerclubs ließen sich nicht lumpen und holten alles aus ihren eisernen Rössern heraus.

Tonnenabschlagen, das ist in Mecklenburg-Vorpommern ein beliebter Brauch. Jedoch handelt es sich dabei normalerweise um einen Wettkampf zu Pferde. Die Teilnehmer schlagen mit Stöcken auf ein hölzernes Heringfass ein, das an einem Gerüst in etwa drei bis vier Metern Höhe aufgehängt ist. Sie reiten nacheinander im Galopp hindurch, bis es schließlich komplett zersplittert ist. Zahlreiche Tonnenbünde mit Tonnenbrüdern und –Schwestern pflegen den Brauch. Manche fechten den Wettkampf auch per Fahrrad oder zu Fuß aus. „Das können wir auch“, dachten sich vor nunmehr 18 Jahren die Jungs und Mädels vom Tressentiner Treckerclub. Seither ist es ein Traktortreffen der besonderen Art, das von Jahr zu Jahr mehr Zuschauer anzieht.

Den Anfang machte dieses Jahr der amtierende Tonnenkönig Otto Voss. Mit seinem Famulus 36 kämpfte er sich noch souverän durch den Schlamm. Auch sein Verfolger kam problemlos durch. Nummer Drei blieb dann schon hängen. Da ging nichts mehr ohne ein kräftiges Zugfahrzeug mit Allrad. „Einer war die gesamte Zeit über damit beschäftigt, die Teilnehmer aus dem Matsch zu ziehen“, sagt Nico Mühring vom Treckerclub und lacht. „Das war die reinste Modderschlacht – und von Runde zu Runde wurde es schlimmer.“ Ein Minibagger war unermüdlich im Einsatz, so musste das Event wenigstens nicht abgebrochen werden.

Schließlich war der Tressentiner Treckerclub in diesem Jahr auch regelrecht von Besuchern überrannt worden: Um die 1000 Menschen schauten sich den Kampf um die Königswürde an, ein neuer Rekord! Runde um Runde versuchten die 20 Treckerfahrer, die Tonne niederzustrecken. Torsten Hauser schaffte es mit seinem Eicher schließlich, den Boden herauszuhauen. Somit darf er sich dieses Jahr mit dem Titel „Bodenkönig“ schmücken. Felix Bötzer kämpfte sich auf seinem Famulus ins Amt des „Stäbenkönigs“. Nach zweieinhalb Stunden und vielen „Rettungsaktionen“ war es schließlich vollbracht: Lutz Lonkowski auf einem Porsche Standard Star versetzte dem alten Fass den entscheidenden Schlag. Überraschung beim neuen Tonnenkönig, der sich für den Wettkampf einen Trecker bei einem anderen Vereinsmitglied geliehen hatte: „Ich habe da nicht mit gerechnet. Es war bis zum Schluss spannend.“ Große Verpflichtungen, wie etwa ein Schützenkönig, gehen mit seinem neuen Amt allerdings nicht einher. Am Abend gab er noch ein, zwei Runden, zudem wird er beim Abendessen zum Jahresabschluss noch ein wenig mehr beisteuern, als seine Treckerkollegen. Aber vom Diesel für den Trecker muss er da definitiv nichts abknapsen. Traktormenschen-Ehrenwort.

Text: Birthe Rosenau
Fotos: Nico Mühring

Mehr vom Tressentiner Treckerclub gibt es auf deren Facebook-Seite. Schau‘ gerne auch auf der Traktormenschen-Seite vorbei. Dort findest du weitere Videos von den Jungs – unter anderem hat der NDR vor ein paar Jahren eines gedreht.

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