Traktormuseum Pauenhof

Museum Pauenhof

Einmal im Jahr ist Großreinemachen im Traktorenmuseum Pauenhof angesagt. „Alle Hallen sind leer, die Traktoren über den ganzen Park verteilt“, erzählt Norbert Stapper. 1999 hat er das nach eigenen Angaben größte Traktoren- und Landtechnikmuseum Deutschlands von Johannes Troost übernommen. Aus über 400 Schlepper zwischen den Baujahren 1924 und 1986 besteht die Sammlung. Um die neun Ausstellungshallen zu reinigen und renovieren, fährt der gelernte Energieanlagen-Elektroniker jedes Schätzchen nach draußen. „Nur drei fahren nicht mehr“, kommt es von Stapper wie aus der Pistole geschossen. Beim Blick in die ungläubigen Gesichter der Besucher fügt er hinzu: „Manche haben noch den Sprit von vor 40 Jahren im Tank – und springen tadellos an.“

Wer durch die Hallen am Rande des niederrheinischen Örtchen Sonsbeck streift, wird auf der Suche nach „seinem“ Traktor mit Sicherheit fündig. Dicht an dicht reihen sich dort die Schlepper, sortiert nach Fabrikaten und Baujahr. Dazu gehören Traktoren aus der Pionierzeit wie Lanz-Bulldogs, Hanomag-Schlepper und alte Deutz-Traktoren. Das älteste Exponat ist ein Fordson, Baujahr 1924. Der Vierzylinder mit 20 PS und stattlichen 1410 Kilo ist wie die meisten Traktoren aus dieser Zeit ein Benziner und springt ohne Murren an. „Allerdings geht man da kaputt drauf“, sagt Norbert Stapper lachend, „besonders auf dem mit den Stollen“, verweist er auf ein nur zwei Jahre jüngeres Modell

Museum Pauenhof

Sein persönlicher Favorit ist ein Lanz-Bulldog, Baujahr 1951:  „Mit dem Lanz über Land zu fahren ist einfach nur schön. Man fällt auf. Allein dadurch, dass er so einen Krach macht“, sagt Stapper. Exoten zwischen den zumeist grün, blau oder rot lackierten Traktoren sind die wenigen weißen Schlepper wie der Lamborghini, den Stapper einem Niederländer abgekauft hat. „Da die Holländer nie eine eigene Traktorproduktion hatten, findet man dort viele Modelle aus Italien, Frankreich, Großbritannien und den USA“, erklärt er. Besondere Exponate sind auch einer der ersten Flughafenschlepper aus dem Jahr 1960 und eine 9 PS starke Primus Diesel Zugmaschine von 1934.

Die Nähe zu den Niederlanden sorgt dafür, dass neben Fabrikaten wie MAN, Deutz, Fendt, Allgaier, Porsche, Steyr, Hanomag, John Deere, Schlüter, Güldner oder Fendt auch Modelle unbekannterer Hersteller zu finden sind. Den richtigen Zeitpunkt, um an bestimmte Modelle zu gelangen, kennt Norbert Stapper genau: „Immer dann, wenn sie zu alt zum Arbeiten sind, aber noch zu jung zum Sammeln.“ Etwas wehmütig macht ihn, dass sein Vorgänger Johannes Troost diesen Zeitpunkt beim Eil-Bulldog scheinbar verpasst hat. Das Flaggschiff der Lanz-Flotte, einst exklusivster und schnellster Vertreter seiner Gattung, steht seit langem auf Stappers Wunschliste. „Allerdings bin ich nicht bereit, 120 000 Euro für einen Schrotthaufen auszugeben“, sagt er.

INFO

Geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Montags nur nach Anmeldung. – Eintritt: Kinder (bis 16 Jahre) 3 Euro, Erwachsene 5 Euro, Familien 13 Euro – Bewirtung im großen Restaurant auf Anfrage. – Adresse: Balberger Straße 72, 47665 Sonsbeck

www.traktormuseum-pauenhof.de

1988 gab Johannes Troost den zuletzt auf Ferkelaufzucht spezialisierten Betrieb auf. Zwei Jahre lang baute er den erstmals im zwölften Jahrhundert erwähnten Pauenhof um, ehe er das Museum mit hundert Traktoren eröffnete. Angefangen hatte alles bereits gut zehn Jahre zuvor. Damals rettete Troost einen alten Hanomag vor der Schrottpresse. Heute sind es weit über 400 Traktoren. Hinzu kommen noch einmal genauso viele Landmaschinen: vom Kleingerät bis zum Mähdrescher. In der Gaststätte „Zum Traktor“ im ursprünglichen Hoftrakt beherbergt Stapper oft Oldtimer- oder Clubtreffen, Betriebs- oder Familienfeiern. „Viele kommen auch mit ihren Enkelkindern regelmäßig zum Traktorfahren“, erzählt er. Denn schon Kinder dürfen im vier Hektar großen Park auf einem der Deutz-Schlepper fahren – vorausgesetzt, ein Erwachsener fährt mit (15 Euro pro halbe Stunde).

Auch Norbert Stapper ist mit Traktoren groß geworden. „Ich war acht Jahre alt als ich das erste Mal allein zum Feld fuhr“, erinnert er sich. Der Vorgänger dieses Deutz D 6206 steht mittlerweile ebenfalls im Museum. So gibt es immer Neues in der Sammlung, immer wieder wird rangiert und umgeparkt. Seiner Sammelwut sind so schnell keine Grenzen gesetzt: „Wenn es in den Hallen zu eng wird, bauen wir einfach eine neue“, sagt er und lacht. Bei zehn Hektar Land kein allzu großes Problem.

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