Kolumne Dr. Trecker – Ein Spenderherz für den kleinen Franzosen

Der kleine Franzose aus dem Hause Sambron war gefühlt schon immer am Kiekeberg im Einsatz. So sah er auch aus. Die Mulde hoffnungslos durchgerottet, an jeder Ecke etwas lose oder mit Draht befestigt. Und auch der Motor war inzwischen nicht mehr im ersten Frühling.

Der Dumper hatte ernsthafte Herzprobleme. Im Laufe seines Lebens hatte der eigentlich robuste Einbaudiesel von Hatz schon einiges mitgemacht. Nur eine komplette Überholung hätte den Motor, das Herz des Patienten, noch retten können…  wäre uns nicht ein passendes, bereits überholtes, Spenderherz über den Weg gelaufen. Dieser neue Motor hat einen neuen Zylinderkopf, Zylinder und Kolben wurden neu gelagert, und als kleines Bonbon hat der Motor eine Glühkerze, einen Zahnkranz auf der Schwungscheibe und einen Elektrostarter. In den Wintermonaten ist der Kurbelstart des Dumpers so manches Mal verflucht worden, auch mit Zündfix brauchte er so einige Umdrehungen, um aus der Winterstarre zu erwachen.

Der Patient in Dr. Treckers Behandlungsraum

Nach genauerer Sichtung des Fahrzeugs, habe ich dann beschlossen einen Rundumschlag zu machen:

  1. Fahrzeug reinigen, Öle, Fette und Dreck der letzten 35 Jahre entfernen.
  2. Fahrzeug aufbocken und störende Anbauteile demontieren.
  3. Motor tauschen, Motorlager an den Motorhaltern erneuern.
  4. Getriebe durchsehen, Getriebeöl wechseln.
  5. Kardanwelle neu lagern.
  6. Mulde instandsetzen, durchgerostete Bleche großflächig heraustrennen und erneuern.
  7. Fahrzeug mit Lichtmaschine, Kabelbaum, Schalterpanel, Batterie, Hupe und Beleuchtungsanlage ausstatten.
  8. Rahmen und Anbauteile entrosten und lacken.
  9. Eventuell bekommt er noch einen Überollbügel.

Eisenspäne satt

Also die Mulde und die Motorabdeckung abgenommen, den Dumper bei den ersten warmen Sonnenstrahlen dieses Jahres zwei Stunden mit dem Hochdruckreiniger behandelt und so die vielen Wehwehchen aufgedeckt. Dann habe ich den Dumper in der Werkstatt gefahren und den Motor mit Getriebeglocke demontiert. Das Motoröl des alten Motors enthielt recht viel Eisenspäne wie die magnetische Ablassschraube zeigt. Das Fahrzeug haben wir anschließend aufgebockt, diverse Anbauteile und die Räder demontierten wir. Das Getriebe zeigte sich in sehr gutem Zustand, obwohl in dem scheinbar uralten Öl etwa ein Esslöffel voll Späne lagen. Wir spülten das Getriebe, montierten eine Ölablassschraube mit Magneten, füllten frisches 90er Hypoidöl auf und verschlossen den oberen Deckel mit einer neuen Dichtung. Für die Montage der Schlussleuchten schweißten wir am Rahmenheck zwei Rohrabschnitte an, damit die runden Schlussleuchten etwas geschützt sind.

Das neue und das alte Herz
Das Getriebe
Die Motorölablassschraube

 

Zwei Tage haben wir mit dem Winkelschleifer, Stahlbürsten, Schleifscheiben, Sandpapier und Schabern den Rahmen gereinigt, angeschliffen und entrostet. Der Originallack war in hellem Hammerschlag-Grün, wir haben jetzt einen dunkleren Farbton gewählt. Als Decklack entschieden wir uns für eine Farbe mit Rostschutzeigenschaften, so hat die Grundierung automatisch den gleichen Farbton. Diese Farben werden inzwischen von mehreren Markenherstellern angeboten. Wenn nur mit einer Farbe gearbeitet werden soll, welche gleichzeitig als Rostschutzgrund wirkt, müssen natürlich mehrere Schichten aufgetragen werden, um eine ausreichende Farbdicke zu erreichen. Da dieses Fahrzeug rein funktionell instand gesetzt wird, trugen wir die Farbe mit dem Pinsel auf. Bei einer Restaurierung würde ich das natürlich anders machen.

Jetzt bin ich gerade dabei die Kupplungsglocke an den neuen Motor zu setzen und die Welle neu zu lagern. Bald wird das Spenderherz transplantiert, und dann wird ein Kabelbaum angefertigt. Wie es damit vorangeht, lest ihr bald hier.

Euer Dr. Trecker alias Holger Hink

 

Neuer Lack für den kleinen FranzosenDu willst mehr über Dr. Trecker und das Freilichtmuseum erfahren? Dann lies‘ unsere weiteren Blog-Beiträge – hier klicken.

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In losen Abständen berichtet Dr. Trecker alias Holger Hink vom Freilichtmuseum am Kiekeberg von aktuellen und bereits abgeschlossenen Restaurierungsprojekten. Unterstützt wird der Werkstattleiter bei seiner Arbeit von den „Mittwochs-Schraubern“ im Museum.

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