Freilichtmuseum am Kiekeberg eröffnet 50er-Jahre-Tankstelle

Rosengarten, 18.9.2019 – Zurück in die 1950er: Eine Tankstelle aus der frühen Wirtschaftswunderzeit wurde jetzt im Freilichtmuseum am Kiekeberg eröffnet. Ab sofort steht sie allen Besuchern während der Öffnungszeiten offen. Ein himmelblaues Goggomobil von 1964, ein NSU Prima Roller und ein dunkelblauer Tempo Wiking Kleinbus, beide von 1957 fuhren zur Eröffnung standesgemäß vor. Die alte Tankstelle ist jetzt genauso eingerichtet, wie Erbauer „Opa Karl“ Mehrtens sie 1955 betrieb: in rot-weißen Gasolin-Farben, mit modernem Flugdach und Kunden-WC. Das Freilichtmuseum gestaltete das Symbol der rollenden Zeitgeschichte liebevoll bis ins Detail, mit Werbeuhr an der Wand und der Juno-Zigarettenschachtel für den Tankwart.

Öffnungszeiten: dienstags bis freitags von 9 bis 17 Uhr, sonnabends und sonntags von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ins Museum kostet 9 Euro für Erwachsene, für Besucher unter 18 Jahren und Fördervereinsmitglieder ist der Eintritt frei.

Die Tankstelle aus den 1950ern bietet im Freilichtmuseum einen ungewohnten Anblick: Mit ihrem freitragenden Dach, den Neonleuchtstoffröhren, klarem weiß-rotem Design und großen Scheiben im Tankwarthäuschen steht sie in starkem Kontrast zu den reetgedeckten Bauernhäusern, die bis in die 1950er Jahre die Dörfer der Region dominierten. Museumsdirektor Stefan Zimmermann beschreibt: „Die Architektur ist auffällig – sie bringt die Moderne in die Dörfer. Und sie ist gleichzeitig ein Symbol für den Aufbruch, für neue Lebensgewohnheiten.“ Was heute unspektakulär erscheint, leitete in den 1950ern einen gesellschaftlichen Wandel ein. Stefan Zimmermann: „Die Menschen fuhren zur Arbeit, gerade der Großraum Hamburg wurde geprägt vom Rhythmus des Pendelns. Man fuhr außerdem erstmals auch zum Einkaufen und in die Freizeit – Sonntagsausflüge und Urlaubsreisen wurden für die allgemeine Bevölkerung üblich.“ Die Statistik spricht für sich: Anfang der 1950er Jahre gab es etwas über 500.000 zugelassene PKW, 1954 bereits knapp 1,5 Millionen und zu Beginn der 1960er Jahre 4,5 Millionen Autos. Voraussetzung dafür war ein leistungsfähiges Netz von Tankstellen.

Die frühen Tankstellen sind heute ein Symbol für die Zeit des Aufbruchs in das automobile Zeitalter. Daher jetzt wurde eine 1950er-Jahre-Tankstelle aus Stade in der „Königsberger Straße“ im Freilichtmuseum am Kiekeberg aufgebaut. Sie verdeutlicht die großen Veränderungen, die sich durch den steigenden Individualverkehr während Wiederaufbau und Wirtschaftswunder auch auf dem Lande einstellten. Am Kiekeberg ist die Tankstelle im Zeitschnitt von 1955 mit den charakteristischen Farben rot-weiß des damaligen Gasolin-Mineralölunternehmens restauriert, mit passenden Werbeschildern und Einrichtungsgegenständen ausgestattet und am 15. September 2019 eröffnet worden. Das Freilichtmuseum holt mit dem Projekt „Königsberger Straße“ insgesamt sechs Gebäude aus der Zeit von 1949 bis 1970 an den Kiekeberg.

Das Freilichtmuseum am Kiekeberg baut die sechs Gebäude mit entsprechender Einrichtung auf, legt Gärten und Straßen an. In ihnen zeigen Ausstellungen auch politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklungen in Deutschland. Bewohnergeschichten und Einzelschicksale aus der Zeit illustrieren besonders eindringlich die individuellen Auswirkungen. Das Museum wählte regionaltypische Gebäude mit aussagekräftigen Bewohner-Geschichten aus, die in gleicher Weise für die gesamtdeutsche Entwicklung stehen:

  • eine Tankstelle,
  • eine Ladenzeile mit sechs Geschäften,
  • ein Doppelhaus und ein Siedlungshaus,
  • einen Aussiedlerhof, ein landwirtschaftlicher Betrieb mit hohem Technisierungsgrad außerhalb des Dorfes,
  • ein Fertighaus als neuer Bautyp.

Finanzierung

Zahlreiche Förderer unterstützen das einmalige Projekt „Königsberger Straße“. Ihr Ziel ist es, die kulturellen Zeugen der unmittelbaren Nachkriegszeit für die Nachwelt zu erhalten und die Aufbauleistung darzustellen. Die „Königsberger Straße“ im Freilichtmuseum am Kiekeberg wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (Bund), das Land Niedersachsen, den Landkreis Harburg, den Förderfonds Hamburg/Niedersachsen der Metropolregion Hamburg, die Stiftung Niedersachsen, die Stiftung Hof Schlüter, die Niedersächsische Sparkassenstiftung, die Stiftung der Sparkasse Harburg-Buxtehude, den Lüneburgischen Landschaftsverband, die Klosterkammer Hannover, die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung und den Förderverein des Freilichtmuseums am Kiekeberg. Das Gesamtprojekt ist auf 6,14 Millionen Euro angelegt.

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