Die Deutz-Brüder aus Sottrum

Als Hermann Bruns vor ein paar Jahren eine 220 Quadratmeter große Halle für seine Oldtimer baute, war er optimistisch: „Ich dachte eigentlich, die reicht erstmal“, sagt der 68-Jährige lachend. Doch in der Tat, inzwischen muss der ehemalige Vollerwerbslandwirt die Trecker und anderen historischen Fahrzeuge schon dicht an dicht quetschen, damit alles seinen Platz findet. Wie viele Traktoren er und seine beiden jüngeren Brüder Fritz (60) und Johann (66) genau haben, vermag der Niedersachse gar nicht zu sagen. Über zehn Deutz-Schlepper sind es allein, dazu kommen ein Lanz Bulldog, zwei Magirus-Deutz Feuerwehrwagen und jede Menge landwirtschaftliche Gerätschaft wie Stationärmotoren, Mähdrescher, Ballenpressen, Melkmaschinen oder eine per Zapfwelle betriebene Kreissäge. „Es hat sich schon viel zu viel bei uns angesammelt“, sagt Hermann Bruns. Und doch restauriert er derzeit einen weiteren Deutz-Schlepper, einen D40 L (Baujahr 1962). „Ich wollte endlich mal einen Traktor mit Frontlader haben“, lautet die logische Erklärung für den Neuzugang.

 

Bis 1970 mit dem Pferd gearbeitet

Erst 1970, relativ spät, kam ein Traktor zum Arbeiten auf den Hof von Hinrich Bruns. Der Vater der drei „Deutz-Brüder“ aus Sottrum entschied sich für einen 30er Deutz mit Baujahr 1956 – ausreichend für die Bewirtschaftung der 15 Hektar Land mit 20 Rindern und Kühen. Nach und nach baute Hinrich Bruns den Betrieb auf, dabei war er darauf bedacht, niemals Schulden zu machen. Der älteste Sohn führte die Landwirtschaft noch bis 1995 weiter – und setzte dabei stets auf Deutz-Traktoren. Heute sind Hermann Bruns und seine Brüder bei den „Freunden alter Landmaschinen“ in Sottrum aktiv.

Hermann Bruns‘ Leidenschaft ist zudem die Freiwillige Feuerwehr im Ort. Dort wird natürlich mit modernen Fahrzeugen gearbeitet, und Bruns‘ Oldtimer bleiben in der Scheune. Mit dem älteren der beiden Feuerwehrwagen von Magirus-Deutz, sind Hermann und Fritz allerdings öfter auf Tour. „Einmal sind wir in die Nähe von Hildesheim gefahren – dort gibt es auch ein Sottrum. Das waren 160 Kilometer“, berichtet Hermann Bruns. Auf der Rückfahrt ging ihnen dann kurz vor der eigenen Haustüre der Diesel aus. Bruns maschierte mit einem Kanister los und besorgte Nachschub.

 

Wendekreis elf Meter

Sehr viel Originales ist noch erhalten: alte Schläuche und Kanister zum Beispiel. Die passende Leiter hat sich Bruns damals aus dem anderen Sottrum abgeholt. Das Fahrzeug selbst stammt von der Feuerwehr der Gemeinde Scheeßel. 36 000 Kilometer hat der Oldtimer nur auf seinem Tacho. „Aber das ist bei der Feuerwehr ja kein Wunder, die ist ja nur im Nahbereich unterwegs“, sagt Hermann Bruns. Ohne Synchrongetriebe und Servolenkung ist der Kleinlaster schon eine fahrerische Herausforderung, der Wendekreis beträgt gut und gerne elf Meter. Der Sechs-Zylinder-V-Motor schöpft aus sechs Litern Hubraum 125 PS. Meist überlässt Hermann seinem jüngeren Bruder Fritz das Steuer – denn der besitzt die alte Führerscheinklasse 2, die zum Führen des Oldtimers nötig ist. „Fritz war bei der Bundeswehr, der kennt sich bestens mit solchen Fahrzeugen aus“, sagt Hermann Bruns. Das zweite Feuerwehr-Auto ist ebenfalls ein Magirus-Deutz – allerdings Baujahr 1963. Auch dieses kommt ab und an noch zum Einsatz. Natürlich rein zum Vergügen – und nicht, wenn es brennt.

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