Die Traktor-Pilger: Bienvenue, Monsieur Tracteur!

Johannes und Inge nähern sich mit großen Schritten Santiago de Compostela. Kein Wunder, schließlich reist der „Monsieur Tracteuer“, wie ihn die Franzosen allerorts begrüßen, dieses Mal mit dem Auto… Weniger schön ist das Abenteuer auf dem Jakobsweg deswegen aber noch lange nicht!

Johannes Thodam kommt aus dem Schwärmen nicht heraus: „Die Strecke ist traumhaft schön, eine ganz tolle Tour.“ Eine Tour, die er schon sehr gut kennt. Denn es ist nun ziemlich genau ein Jahr her, seit er mit seinem Freund Gerd Lemkens den Jakobsweg zurückgelegt hat – jeder mit seinem Oldtimer-Traktor. Dieses Mal ist Lebensgefährtin Inge mit von der Partie, der Traktor parkt zu Hause, und mit dem Auto geht es deutlich zügiger. Statt um die 80 Kilometer pro Tag schaffen die beiden nun 250 bis 350 Kilometer. Zeit lassen sie sich dennoch. „Wir halten einfach immer mal wieder entlang des Weges an und schauen uns in Ruhe die vielen Sehenswürdigkeiten an, die ich mit Gerd nur im Vorbeifahren registriert habe“, sagt Johannes. Zum Beispiel die Felsenkirche in Le-Puy-en-Velay oder die Kathedrale in Santo Domingo de la Calzada, in der seit mehr als 500 Jahren ein lebender Hahn und eine lebende Henne gehalten werden.

Einfach mal die Seele baumeln lassen – Inge genießt die Tour. Sie führt immer wieder an Orten vorbei, die Johannes vor einem Jahr mit Gerd entdeckt hat – von den Oldtimer-Traktoren aus.

„Es ist etwas ganz Anderes, als beim ersten Mal“, berichtet Johannes. Natürlich habe er die Wegmarken von damals noch im Kopf. „Doch nun wechselt die Landschaft viel schneller. Und uns bleibt mehr Zeit zum Verweilen.“ Inge genießt die Tour in vollen Zügen und staunt nun noch mehr über das fantastische Abenteuer der beiden Männer im vergangenen Jahr. „Es ist wirklich kaum nachzuvollziehen, wie dass die beiden Oldtimer-Trecker geschafft haben“, sagt sie. Seit elf Tagen ist das Paar nun unterwegs, diese Nacht haben sie in Burgos übernachtet. Wann immer es geht, führt Johannes seine Inge in die Herbergen, in denen er auch mit Gerd übernachtet hat.

Die Erinnerung an das Trecker-Abenteuer ist noch wach

Was es da jedes Mal für ein großes Hallo gibt! Sobald Johannes den Raum betritt, erkennen ihn die Herbergsleute wieder und rufen „Monsieur Tracteur!“. „Viele haben auch Fotos von uns und den Treckern aufgehängt und fragen, wie es uns auf der restlichen Strecke ergangen ist“, berichtet Johannes. Alle erinnern sich gerne an die außergewöhnlichen Pilger, fragen nach den Traktoren und natürlich auch danach, wo denn Gerd dieses Mal ist. Was natürlich nicht heißt, dass Inge weniger herzliche empfangen wird, ganz im Gegenteil. „Corinne, die voriges Jahr von Gerd und Johannes die Verdienstmedaille ihres Treckerclubs verliehen bekommen hat, hat uns so toll aufgenommen. Wir sind direkt Freundinnen geworden“, erzählt Inge. Corinne hatte zwar leider kein Bett mehr für die beiden frei, bestand aber darauf, ihnen das Abendessen und am nächsten Morgen das Frühstück servieren zu dürfen. Inge deckte im Gegenzug dafür die große Tafel für die Pilger ein.

Links: die Felsenkirche von Le Puy-en-Velay, Mitte: Skulptur der „Bête du Gévaudan“ bei Saugues, Rechts: Inge deckt die Pilger-Tafel ein.

Auch Michelle und Herve aus Fontaines haben Gerd und Johannes noch in bester Erinnerung. Herve bestand damals darauf, dass die Traktor-Pilger ihren Schlüter AS 22 und ihren Eicher EKL 15/II auf seinem Privathof parkten. Am nächsten Morgen gab es dann noch Überraschungsbesuch von einem Kommandanten, der unbedingt auf den Oldtimern Probe sitzen wollte (Hier geht es zu der entsprechenden Folge). Das Bild davon hängt heute gerahmt in Herves Büro. „Als er mich erkannte, rannte er sofort los, um die Medaille zu holen, die wir ihm damals geschenkt hatten“, zeigt sich Johannes gerührt. Der Herbergsvater war der 2. Träger der „Verdienstmedaille“. Nummer drei bekam der Bischof in der Kathedrale von Santiago de Compostela.

Genießen die Auszeit zu zweit

„Es macht mir sehr viel Spaß, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen“, sagt Inge, „ich glaube, das Pilgern auf dem Jakobsweg könnte auch für mich etwas sein.“ Dann allerdings zu Fuß, mit dem Rucksack auf den Schultern. Auch jetzt nutzt sie immer wieder zwischendrin Gelegenheiten, mal ein paar Stunden zu wandern und so den Camino zu erkunden. „Ich genieße diese Auszeit, den Abstand, die Möglichkeit, einfach mal die Seele baumeln zu lassen“, erklärt sie. So viel Zeit zu zweit hat das Paar zu Hause sonst oft nicht, da beide noch beruflich und familiär sehr stark eingebunden sind. „Wir machen das gerne. Aber es ist auch schön, jetzt mal nur für uns zu sein.“

Links: Wiedersehen mit Michelle und Herve (Mitte) – Rechts: Inge nutzt immer mal die Gelegenheit, auch ein Stück zu Fuß unterwegs zu sein.

Wenn alles läuft wie geplant, dann werden die Pilger am Sonntag Santiago de Compostela erreichen. Dort wollen sie zwei Tage bleiben, ehe sie zum Kap Finisterre fahren, um von dort aus dann die Heimreise anzutreten. „Wir werden dann etwas zügiger fahren, also mehr Hauptstraßen nehmen“, berichtet Johannes. Schließlich wollen sie am 21. Mai wieder in Nettetal-Hinsbeck sein, um dort an der Fahrt der Schlepperfreunde teilzunehmen.

Die Traktor-Pilger: Mach’s noch einmal, Johannes!

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Traktor-Pilger sind wieder zu Hause

Du hast das große Abenteuer der Traktor-Pilger damals verpasst oder willst es einfach nochmal nachlesen? Dann bitte hier entlang!

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