Bei Peli können Trecker auch ganz leise

Manch‘ ein Nordhorner wird sich verwundert die Augen gerieben haben. Nanu, warum parken denn da abends Trecker vor der Kreisverwaltung? Und hätte dann jemand erzählt, dass dort drinnen gerade eine Vernissage stattfindet, und eben die Gäste dieser Ausstellungseröffnung vor der Türe parken, dann hätte der Nordhorner wohl nur spöttisch gelächelt.

Oder eben auch nicht. Denn wer in Nordhorn lebt, der muss es irgendwie mit der Muttermilch aufgesogen haben, der hat sprichwörtlich Diesel im Blut: Nordhorn hat sich längst über die Grenzen Niedersachsens hinaus einen Namen gemacht als das Mekka der Traktorfans. Oder wie es Kurt Theopold bei der Einführung zur Ausstellung auf den Punkt brachte: „Wenn es das Treffen in Nordhorn nicht gäbe, es müsste erfunden werden.“ Während es bis zum Treffen jedoch noch knapp zwei Monate dauert, sind die Aquarelle von Friedrich K. Nass, genannt „Peli“, bereits jetzt in der Kreisverwaltung zu bewundern.

Und das ist ganz wörtlich zu nehmen. Weitestgehend aus dem Kopf malte der Künstler seine detaillierten und authentischen Szenen aus den vergangenen 70 Jahren des Kraftverkehrs und der Landtechnik. Wer diese Information kennt, kommt nicht umhin staunend jede Radmutter, jedes Blechteil und weitere Einzelheiten zu betrachten. „Wo wenn nicht nach Nordhorn gehören diese Bilder hin?“, fragte so auch Kurt Theopold.

oben links: Gebannt lauschen die Gäste bei der Ausstellungseröffnung der bewegten Biographie des Künstlers.
oben rechts: Einige kamen direkt vom Gelände der Feldtage mit dem Traktor zur Kreisverwaltung.
unten: Auch den Landbaumotor von Lanz, dieses Jahr Highlight bei den Feldtagen vom 11. bis 13. August, hat Peli bereits gemalt.

Man sieht die PS, hört und riecht sie aber nicht – Gerlinde Schmidt-Hood

Peli wurde 1941 in Wien geboren und kam als Fünfjähriger nach Oberhausen, in die Heimatstadt seines Vaters. Während dieser in der Zeche Osterfeld „malochte“, wie es im Ruhrgebiet heißt, ging Friedrich K. Nass auf seine Streifzüge. Immer dabei: sein bester Kumpel und sein kleiner Tretroller als Fortbewegungsmittel. „Wer genau hinsieht, kann den kleinen Jungen und seinen Roller auch auf einem der Bilder erkennen“, verriet Theopold. Alles musste genauestens erkundet werden, und besonders die vielen großen Fahrzeuge vor dem Haupttor der Zeche schindeten Eindruck bei den Jungs.

Wenn Peli nicht gerade auf Achse war, malte er seine Erlebnisse auf der Schiefertafel in der Schule auf. Das habe ihm die ein oder andere Strafarbeit sowie Prügel der Mitschüler eingebracht. Auch zu Hause hagelte es Strafen für den Träumer, stundenlang musste er im Schlafzimmer der Eltern seinen Stubenarrest absitzen. „Für Peli war das jedoch ein Segen“, berichtete Theopold. Denn das Fenster ging zur Straße raus, und so konnte der Junge stundenlang die Fahrzeuge dort studieren. Sein fotografisches Gedächtnis half ihm dabei, die Studien zu konservieren, um sie dann nach und nach zu Papier zu bringen.

Zu gerne wäre er Maler geworden, doch sein Vater hatte andere Pläne mit ihm: So absolvierte Friedrich K. Nass eine Lehre zum Maschinenschlosser und später zum Maschinenbautechniker. Das Zeichnen gab er jedoch deshalb noch lange nicht auf. Er studierte in seiner Freizeit neue Techniken, ging bei Künstlern in die Schule und malte schließlich die ersten Auftragsarbeiten. Viele seiner Bilder waren schon in Zeitschriften wie „Historischer Kraftverkehr“, „Schlepper Post“ und „Blaulicht“ zu sehen. Gerlinde Schmidt-Hood, die Frau von Johann Hood, Geschäftsführer des Treckerclubs Nordhorn, eröffnete schließlich offiziell die Ausstellung mit den Worten: „Pelis Bilder kommen leise daher, seine Lkw oder Trecker tuckern ohne Sound und Staub. Man sieht die PS, hört und riecht sie aber nicht.“

Die Ausstellung ist noch bis zum 6. August 2017 im Kreishaus Nordhorn, van-Delden-Straße 1-7, zu sehen. Geöffnet ist diese montags bis donnerstags von 8.30 bis 16 Uhr, freitags von 8.30 bis 12.30 und sonntags von 11 bis 13 Uhr.
Mehr zu den Feldtagen lest ihr hier.

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